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Fortlaufende Singgruppe Druckversion - Impressum - Programmheft (4 MB)

 

Christian Bollmann

Kurzportrait

Meine erste Begegnung mit gesungenen Obertönen hatte ich 1969 bei einer Aufführung von Karl Heinz Stockhausens "Stimmung" im Studio der Beethovenhalle in Bonn. Die Atmosphäre, die von der völlig neuen Art, mit Stimmklängen umzugehen, ausging, machte mich erstaunlich wach und neugierig. Obwohl ich schon immer viel und gerne gesungen hatte, lag doch mein Hauptinteresse bis dahin im Spielen von Instrumenten. Hatte ich doch kurz zuvor das erste Mal Synthesizermusik gehört und selbst die Gelegenheit gehabt, an so einem Instrument zu spielen, geriet ich nun ins Experimentieren mit der Stimme. 1972 erlebte ich Michael Vetter mit seiner Frau Atsuko, wie er den Weg der Stimme mit Obertönen und Klangfarben intuitiv, improvisatorisch beschritt, in einem Konzert im Bonn-Center. Wieder war ich fasziniert, diesmal von der Natürlichkeit, Tiefe und Selbstverständlichkeit dieses musikalischen Spielens in seinen feinen Bereichen. Ich besuchte ihn des öfteren, und im gemeinsamen Spiel erkannte ich unter anderem die grundliegenden Wege, Obertöne im gesungenen Ton hörbar werden zu lassen.

Während meines Studiums an der Musikhochschule Köln 1972-80, legte ich neben dem traditionellen Pensum meine Aufmerksamkeit auf Jazz und Neue Musik, später auf Komposition, Neues Musiktheater und Elektronische Musik. In dieser Zeit war das Obertonsingen für mich eine Art "Music Privee", eine musikalische Meditationsform, um mich von der Hektik und dem Leistungsdruck der Hochschule zu erholen. Es brauchte einige Jahre, um den Schock des Studiums zu überwinden und wieder frei und inspiriert meiner eigenen innersten Musik zu begegnen. Nach wilden Zeiten in unterschiedlichsten Gruppierungen entschied ich mich nach dem Collaps der Musik-Theater-Performance Lebens- und Arbeitsgemeinschaft "PADLT NOIDLT" 1980, mir Zeit für eine Neuorientierung zu nehmen und herauszufinden, was ich wirklich wollte.

Zentraler Aspekt war, meinen Weg meditativen, kreativen Musizierens auszubauen, wobei die Stimme als "biologisch-organischer Synthesizer", als ureigenstes Instrument im Mittelpunkt stehen sollte und somit auch das Obertonsingen als fester Bestandteil der umfassenden musikalischen Entwicklungsarbeit vom Experiment über die Improvisation zur Komposition und Produktion. Gerade in der heutigen übertechnisierten Welt und Musik ist es wichtiger denn je, die Möglichkeiten des "unelektrifizierten menschlichen Körpers als Instrument" in der Gemeinschaft wiederzuentdecken und im gemeinsamen spielerischen Musizieren die ursprüngliche Kraft und Erlebnistiefe der Musik lebendig zu spüren.

Auf dem Weg der Arbeit mit diesem "Instrument" entstanden in Düsseldorf ein Obertonsingkreis, der Werkstatt-Chor, Musiken zu Theater und Filmproduktionen, Chor-Kompositionen zu Antigone, den Bacchien und der Aristophanie, das Spielstück vom Klang des Wassers "Aquamorphose" mit Christoph Müller und die ersten Kompositionen für den "OBERTON-CHOR DÜSSELDORF". Es entstanden Klangrituale für unterschiedliche Besetzungen und Anlässe. Immer jedoch mit dem Focus, Spielräume zu schaffen, die den Musiker Kanal für die schöpferische und heilende Kraft der göttlichen Natur von Musik werden lässt.

In meinen Seminaren geht es um ein lebendiges Erfahrungsfeld Musik, in dem wir lernen können, auf vielfältige Weise und immer differenzierter nicht nur mit den Obertönen umzugehen, sondern mit der gesamten Sprache der Musik. Es gibt feste, freie und sich wandelnde musikalische Strukturen, in denen verschiedene Aspekte des Musizierens und der Präsenz geübt und verfeinert werden können. Die Obertöne sind Werkzeuge, Focus und Feinabstimmung einer komplexen organischen Musik. Die ganze Art zu musizieren, mit Musik umzugehen und mit der Musik zu leben, ist sehr stark von der Kommunikation, dem Austausch der persönlichen Erfahrung in der Gruppe geprägt. Auch hier prägt der Inhalt immer die Form - Resonanzraum als Focus.

Aber auch Atem, Köper, Bewegung, Tanz, Rhythmus-Sessions im Kreis, archaische Muster und Themen, einfachste Musizierstrukturen, aus denen Musik entstanden sein mag, führen uns zu den Wurzeln einer universellen Musik, einer überall verstandenen Sprache der Emotionen, der Seele, des Geistes.



Obertongesang

ObertonchorMit einem inzwischen großen Repertoire bewegt sich das Programm des Obertonchores zwischen sphärisch/meditativen Klangritualen mit Obertongesang, der magischen anmutenden Kunst, alleine zweistimmig zu singen, wobei bei einem 14 köpfigen Ensemble bis zu 28 Tönen gleichzeitig möglich sind. Ebenso bilden experimentelle Klangkollagen mit Sprachrhythmen, bei denen unterschiedlichste Stimmtechniken zum Einsatz kommen, einen weiteren Schwerpunkt. Die Stimme wird hier zum Instrument und als biologisch organischer "Sampler" oder Synthesizer benutzt.

Weiterhin bilden spezielle Bearbeitungen ritueller Gesänge aus unterschiedlicher Kulturen (u.a. Indianer, Sufis) einen musikalischen Spannungsbogen über Kontinente, Stile und Jahrhunderte hinweg.

Neben der Stimme als Hauptinstrument kommen u.a. auch verschiedene Trommeln, Muschelhörner, australische Didgeridoos, chinesische Gongs, indische Tablas, tibetische Klangschalen und Flöten zum Einsatz.


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