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Interview mit den Organisatoren

Interview durch Matthias Czempiel

Czempiel: Was hat Sie bewogen diese umfangreiche Veranstaltungsreihe zu organisieren?

Wolfgang Bossinger: Die Idee dazu entstand eigentlich bei einem Spaziergang von Herrn Eckle und mir auf der schwäbischen Alb im Sommer 2004. Wir tauschten uns aus, über neue therapeutische Ansätze in künstlerischen Therapien. Ich erzählte Raimund Eckle von meiner Faszination darüber, wie durch die menschliche Stimme und Gesang, die eigene Herzfrequenz dramatisch beeinflusst werden kann - also wie die Schwingungen der Stimme und der Rhythmus des Atems gesundheitsfördernde Wirkungen auf die "Schwingung und den Rhythmus" unseres Herzens entfalten können.

Raimund Eckle: Für mich war und ist es die faszinierende Einsicht, dass Schwingung und Resonanzphänomene uns auf den verschiedensten Ebenen in unserem ganzen Leben begleiten. Konkreter Ausgangspunkt war der freundschaftliche Austausch mit Herrn Bossinger nach der Arbeit beim Wandern in der Natur. Die Inspiration und Begeisterung für das Thema Schwingung und Resonanz in den Bereichen Kunst - Musik und Therapie hat uns sehr bewegt!

  • Wichtig ist uns das Erfahrbarmachen von Schwingung.
  • In Kunst- und Musiktherapie sehen wir immer wieder, dass durch Eigenerfahrung Kompetenzen gestärkt und Selbstheilungskräfte angeregt werden.
  • Wichtig ist dabei auch, was genau bringe ich zum Schwingen? Oder zu was gehe ich in Resonanz?

Czempiel: Was hat Schwingung mit Gesundheit zu tun?

Wolfgang Bossinger: Unser ganzes Universum baut sich letzten Endes aus einem feinen Netzwerk unvorstellbar kleiner schwingender Fädchen (den Strings) auf - wie die Superstring-Theorie, die derzeit modernste Theorie der Physik zeigt. So wie auf der Seite einer Geige unterschiedliche Töne zum Schwingen gebracht werden können, erzeugen die winzigen Strings durch unterschiedliche Schwingungszustände sämtliche Elementarteilchen - also die Bausteine des Universums wie Quarks, Elektronen usw. In neueren Forschungen der Medizin - vor allem der Chronomedizin - wird immer deutlicher, dass auch unser menschlicher Körper durch und durch aus Schwingungsprozessen und rhythmischen Vorgängen besteht. Unsere Nervenzellen schwingen im Bereich von Millisekunden, Atem und Herz im Sekundenbereich und es gibt viele langsamere Schwingungsvorgänge und Rhythmen. All diese Rhythmen stehen in engem Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheitsprozessen.

Raimund Eckle: Zunächst einmal gar nichts! Schwingung umgibt uns überall. Ich halte jedoch die Frage, zu was für einer Schwingung gehe ich wie (!) in Resonanz für sehr wichtig. Das hat damit zu tun, wohin richte ich meine Aufmerksamkeit? – Was für eine Orientierung habe ich? –
Schwingung und Resonanz gehören zu den Grundeigenschaften des Lebens. Jeder Gegen­stand, jedes Lebewesen, jeder Mensch, ja, sogar jedes Organ im Körper schwingt (sendet) und resoniert (empfängt) auf seine spezifische Art und Weise. Rhythmisch wiederkehrende Tätigkeiten haben einen gravierenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Was lebensfördernd, heilsam und gesund machend für uns ist, versucht diese Veranstaltungsreihe von verschiedenen Seiten zu untersuchen.

Czempiel: Können Sie diese Zusammenhänge näher erläutern?

Wolfgang Bossinger: Bei schweren Krankheiten wie z.B. Krebs zeigen sich etwa Zerfallserscheinungen der geordneten Harmonie dieser Rhythmen im Körper, während "Gesundheit" sich widerspiegelt in Form wunderschöner "musikalischer" Verhältnisse dieser Körperrhythmen. In der Krebsbehandlung spielt die Beachtung der Körperrhythmen in neuere eine wichtige Rolle. So fand man heraus, dass Krebszellen einen anderen "Zellteilungs-Rhythmus" wie gesunde Zellen des Knochenmarks haben. Behandelt man bestimmte Krebsarten also mit Chemotherapie ist es wichtig, diese starken Medikamente dann zu verabreichen, wenn die Krebszellen sich teilen - dann sind sie nämlich anfälliger - um eine maximale Wirkung zu erzielen. Gibt man diese Medikamente zum falschen Zeitpunkt erreicht man wenig Wirkung dafür aber eine hohe Schädigung der gesunden Zellen, was zu massiven Nebenwirkungen bei der Behandlung führt.
Interessant für künstlerische Therapeuten und Chronomediziner ist, dass Körper-Rhythmen teilweise musikalisch und künstlerisch positiv beeinflussbar sind - hier eröffnen sich ganz neue Wege für die Entwicklung von Therapieverfahren. Musikalische Schwingungen können z.B. Herz- und Atemrhythmus oder hormonelle Zyklen beeinflussen und diese Wirkungen konnten mittlerweile sogar noch in Tiefschlaf-Phasen während der Nacht in Form besserer Erholungsphasen nachgewiesen werden.

Czempiel: Wie kann durch externe Schwingung körpereigene, gesundmachende Resonanz erzeugt werden?

Raimund Eckle: Fragen wir uns was sind externe Schwingungen? So können wir viele Beispiele dafür finden, wie z.B. andere Menschen mit denen wir zu tun haben, Musik die wir anhören und Farben und Räume mit denen wir uns umgeben. Manche von diesen Schwingungen, von diesen Einflüssen, auf uns erleben wir als heilsam, wohltuend, andere wiederum als belanglos, unangenehm etc. Wie aber können wir herausfinden, was gesund machend für uns ist? Eine Möglichkeit uns dem zu nähern ist meines Erachtens still zu werden in unserem Denken und auch körperlich zu entspannen.
Während des freien Malens beispielsweise oder beim Plastizieren können wir dann lernen uns von innen heraus leiten zu lassen und uns "im Außen" auszudrücken. Dieser Ausdruck kann nun wieder zurückwirken auf unser Inneres. Oft finden wir dabei ein besseres Verständnis für uns selbst und neue Möglichkeiten des Handelns.

Czempiel: Sie sprechen von Dialog zwischen Gesunden und Kranken und dass die Klinik Christophsbad ihre Türen öffnen möchte, für Austausch - was wollen Sie damit erreichen?

Wolfgang Bossinger: Zunächst geht uns darum, interessante neue Erkenntnisse und Informationen zu vermitteln - nicht nur für kranke Menschen, sondern für alle denen ihre Gesundheit am Herzen liegt. Weiterhin möchten wir Ängste und auch Vorurteile oder Vermutungen über eine Klinik wie das Christophsbad abbauen und zum Austausch anregen. Leider gibt es in der Bevölkerung noch viele angstbesetzte "Klischee-Vorstellungen" über psychiatrische oder psychotherapeutische Krankenhäuser.

Raimund Eckle: Die Psychiatrien waren über 100 Jahre Einrichtungen, an die Menschen gekommen sind, die nicht mehr in die Gesellschaft gepasst haben. Aus was für Gründen auch immer. Es gab so eine Art "Ghetto"-Psychiatrie. Wir wollen dem mutig entgegentreten und den Dialog, die Kommunikation zwischen "Drinnen" und "Draußen" – "krank" und "gesund" anregen; und Menschen die Angst nehmen sich in Krisensituationen Hilfe zu nehmen.

Czempiel: Wie kamen Sie persönlich zu diesem Thema?

Wolfgang Bossinger: Für mich war schon immer faszinierend, dass Musik so sehr unter die Haut geht, uns so tief im Innersten berühren kann. Auf vielen Reisen erlebte ich Musik als eine "internationale Sprache", die Gemeinschaft und Verbundenheit erzeugt und Menschen über alle Grenzen hinweg vereinen kann. Umso spannender, dass auch unser Körper durch und durch musikalisch ist und dass mit modernen Messungen und Darstellungsmethoden die Wirkungen von Schwingung und Klang auf Körper und Seele nachvollziehbarer werden und für heilsame Zwecke genutzt werden können. In meiner eigenen musiktherapeutischen Arbeit entwickelte ich Forschungsansätze und praktische Anwendungsbereiche zur Wirkung von Stimme und Gesang auf das vegetative Nervensystem und das Herz-Kreislauf-System. Dabei können Patienten direkt die Wirkung von Gefühlen, oder von stimmlichem Ausdruck erleben, indem auf einem Laptop in Echtzeit die Veränderungen der Herztätigkeit dargestellt werden. Durch dieses Biofeedback ist es möglich zu lernen, durch Gesang und Atmung entspannungsfördernd und stressreduzierend auf das Herz und das autonome Nervensystem einzuwirken.

Raimund Eckle: Das Thema Schwingung und Resonanz ist für mich durch einen Filmvortrag mit Wasser-Klang-Bildern von A. Lauterwasser noch konkreter geworden. Hier sind aus Tönen Formen und Bilder entstanden, das hat mich sehr fasziniert. Das Wasser als Medium im Zusammenhang mit Heilung und Gesundheit hat mit schon lange davor beschäftigt. Auch die Möglichkeiten der neuen Wassertherapien finde ich absolut beachtenswert. Es gibt ja ein altes Wissen der Menschen vieler Kulturen darüber.
Wasser ist das ideale Medium im menschlichen Körper wie im sozialen Organismus, des Menschen insgesamt. Das Wasser gibt einen kulturstiftenden Impuls. Das ist auch ein Thema des Christophsbades, das auf einem alten Wasserplatz steht und sich durch die Generationen entwickelt hat. Hier ist für mich etwas zusammengenommen und es ist eine große Freude das in unsere Klinik einbringen zu dürfen.

Czempiel: Musik hat mit Schwingungen zu tun, das ist ja ganz einleuchtend. Wie ist die Verbindung zu Bildern und Farben?

Raimund Eckle: Wir wissen aus der Forschung, dass das, was uns aus Farben erscheint, bestimmte Frequenzbereiche sind, die unserem Gehirn über das Licht vermittelt werden. Aber auch Linien die nur über den Hell-Dunkel-Kontrast von uns wahrgenommen werden, können uns in Schwingung versetzen, wenn sie nur an ein geschriebenes Wort wie z.B. "Liebe" oder "Tod" denken. Oder an eine Zeichnung, die mich anspricht und etwas zum Schwingen bringt in mir, wenn ich in Resonanz dazu gehen. Farben bringen uns in Schwung. Wir kennen das alle, wenn das Wetter immer grau und düster ist oder wenn die Sonne scheint und im Sommer uns die Farbenpracht der Natur erfreut.

Czempiel: Können Sie die Wirkungsweise von "Farbschwingungen" auf den Organismus erläutern?

Raimund Eckle: Die Farbe Rot hat zum Beispiel meist eine anregende, aktivierende Wirkung auf unser Empfinden. Grün wirkt dagegen eher beruhigende und entspannend. Blau gibt uns oft ein Gefühl von grenzenloser Weite .Die Farbe Gelb verbinden wir mit Licht und Leichtigkeit .Diese objektiven Farbwirkung können wir durch die Prägungen der Menschheit über viele Tausend Jahre durch Ihr Naturerleben verstehen .Es gibt jedoch auch Kulturabhängige Faktoren wie z.B. bei der Farbe Schwarz die in vielen Afrikanischen Kulturen als eine Farbe der Fruchtbarkeit (schwarze Erde/schattenspendend) erlebt wird. Ganz im Gegensatz zu unserer Kultur wo sie sehr stark mit dem Tod in Verbindung gebracht wird, über die es auch viele wissenschaftliche Untersuchungen gibt, gibt es auch subjektive Wirkungsweisen. Zu welcher Farbe geht mein Organismus, oder ein bestimmter Teil meines Organismus, gerade jetzt in Resonanz? Will ich die Wirkung einer Farbe auf mich aktivieren oder ausgleichen? Uns bewusst mit den Wirkungen der unterschiedlichen Farbschwingungen auf uns zu beschäftigen, bringt etwas Belebendes in unser Leben. Es macht unser Leben bunter und vielgestaltig.

Czempiel: Man spricht von der Dreiheit des Menschen aus Körper, Geist und Seele. Sprechen Ton und Farbschwingungen diese in unterschiedlicher Weise an?

Wolfgang Bossinger: Musik wirkt unmittelbar auf den Körper, zunächst über das Hören. Vom Hörnerv gibt es eine direkte Verbindung zum limbischen System im Gehirn - also unserem "emotionalen Gehirn". Hier sitzt das Gefühlszentrum und das emotionale Gedächtnis. Weiterhin werden von hier aus viele Körperfunktionen direkt über das vegetative Nervensystem moduliert. Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck, endokrinologische Vorgänge usw. All diese Prozesse entziehen sich unserer willkürlichen Steuerung. Musik und akustische Schwingungen gehen also im wahrsten Sinne des Wortes direkt unter die Haut. Aus diesem Grunde stören uns Musik und Geräusche manchmal auch, da wir uns deren Wirkung auf den Körper nicht entziehen können. Musik wirkt natürlich auch auf Seele und Geist. Hier spielen subjektive Faktoren eine wichtige Rolle. Musik wirkt nicht vorhersagbar wie ein Medikament immer gleich - es gibt also keine "musikalische Apotheke" nach dem Motto "Bach bei Kopfschmerzen" oder ähnliches. Die subjektive Bewertung der Musik und der persönliche Hintergrund eigener Erfahrungen beeinflussen in hohem Maße die Wirkung des Musikerlebens. So kann für den einen Mozarts "kleine Nachtmusik" bei einer Operationsvorbereitung oder beim Zahnarzt beruhigend und schmerzdämpfend wirken und bei einer anderen Person wirkt dafür Elvis Presley mit "Blue Suede Shoes".
Es ist also sehr wichtig die Patienten bei der Auswahl der Musik mit einzubeziehen. Der Musikmediziner Prof. Spintge konnte übrigens nachweisen, dass Einsparungen für Medikamentenkosten in Millionenhöhe durch eine solche Musikmedizin möglich sind, die in der Schmerzbekämpfung, bei Operationsvorbereitungen und weiteren Gebieten eingesetzt wird.

Raimund Eckle: Dreieinheit heißt, dass die drei miteinander verbunden sind. Eine Trennung in Körper, Seele und Geist ist meiner Meinung nach nur abstrakt im Denken und in der Sprache Realität. Ich finde es hilfreicher sich den Menschen als zwischen den Poolen grobstofflich (Materie) und feinstofflich (Seele/Geist) vorzustellen. Ton (Akustik) und Farbschwingung (Optik) sprechen uns auf unterschiedlichen Sinnesebenen an. Die Musik ist eine "Zeitkunst" die darstellende Kunst ist eine "Raumkunst". Beide haben jedoch durch die Sinne eine anregende und belebende Wirkung auf die Gemütsverfassung und die Selbstheilungskräfte in unserem Organismus.

Czempiel: Wie kann man sich ihr Modell der Rückführung zum innern Gleichgewicht - zum Einklang mit sich vorstellen?

Wolfgang Bossinger: Bisher gibt es bestenfalls Bausteine zu solchen Modellen. Einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet ist der weltbekannte Chronomediziner Prof. Max Moser, Uni Graz, den wir auch für unsere Veranstaltungsreihe eingeladen haben. Ein Baustein zu solchen Modellen ist die "Herzratenvariabilität". So wissen wir etwa, das sich in dieser Schwingungsfähigkeit unseres Herzens (sog. Herzratenvariabilität) auch unsere seelische Verfassung oder unsere Stressbelastung wiederspiegelt.
Mit modernen Messmethoden dieser feinen Schwingungsstrukturen des Herzens ist es mittlerweile möglich, präzise Vorhersagen über ein mögliches Herzinfarktrisiko oder über andere Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems zu machen. Dabei ist klar - je weniger das Herz schwingt und sich an Umweltfaktoren oder innere Parameter anpassen kann, umso größer das Gesundheitsrisiko. Bei einer Depression oder Angststörung ist die Herzratenvariabilität ebenfalls vermindert. Der Erfolg einer Psychotherapie lässt sich tatsächlich auch an einer entsprechenden Zunahme der Schwingungsfähigkeit unseres Herzens messen. Neben dem Herzen zeigt sich Stress und Depression auch in einer entsprechenden Abnahme der Melodik und des Obertonreichtums der menschlichen Stimme. Umgekehrt können wir durch Arbeit mit der Stimme (z.B. bestimmte Formen des Singens und Tönens), durch Klangwirkungen und Beeinflussung der Atmung oder durch musiktherapeutische Entspannungsmethoden auch wieder zurückwirken auf die seelische und körperliche Verfassung. Es handelt sich bei diesen Gebieten jedoch um hochkomplexe Zusammenhänge, die uns vermutlich wissenschaftlich noch viele Jahrzehnte beschäftigen werden. Durch diese Veranstaltungsreihe erhoffen wir uns, gemeinsam viel Neues zu lernen und Wege zu hilfreichen Kooperationen zu finden.



© 2006-2008 Christophsbad Göppingen. Letzte Aktualisierung am 27.11.07 nach oben