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Interview mit Ursula Schumann

von Wolfgang Bossinger

Wolfgang Bossinger: Frau Schumann - Ihr aktueller Gedichtband "Wenn das Himmelsmeer schäumt" steht kurz vor der Veröffentlichung. Können Sie näher erläutern, worum es darin geht?

Ursula Schumann: Ich lade als Lyrikerin zu einem Spaziergang durch den Jahreskreis ein. Wir betrachten Naturschauspiele, folgen der Sonne, erleben die Elemente, suchen die Themen der Zeit. So finden wir, vielleicht auch durch die beigefügten Bilder meiner Malerei, eine Möglichkeit menschlicher Begegnung.

Wolfgang Bossinger: Sie beschäftigen sich mit Malerei und arbeiten derzeit an "Resonanzbildern der Seele". Was verstehen Sie darunter? Welche Rolle spielt das Malen überhaupt für sie?

Ursula Schumann: Schon seit Kinderzeiten sah ich die Worte als ein lebendiges Bild in mir. Immer wieder versuchte ich diese Bilder malerisch dazustellen. Dieser Drang stieß auf Unverständnis und war deshalb eher hinderlich. Denn die ungewöhnliche Form meiner Wahrnehmung war mir nicht bewusst. Erst spät kam ich zu der Erkenntnis, dass angeregt durch die Schwingungen der Sprachklänge, meine Seele in Resonanz geht, die ich bildlich erfasse. Diese Resonanzbilder zu erschaffen, ist für mich Freude. Denn ich bin als kleines Teilchen Mitwirkende am kosmischen Geschehen.

Wolfgang Bossinger: Die künstlerische Beschäftigung mit Sprache in Form von Gedichten, Prosatexten und Märchen beschäftigen Sie seit Ihrer Kindheit. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ursula Schumann: Ich wollte auf meinen Reichtum an inneren Bildern, da es mir malerisch zunächst nicht gelang, anderweitig aufmerksam machen. Ich beschrieb diese bunte Fülle, in der Hoffnung, der Leser sei davon begeistert. Dann erst, dachte ich, hat mein Leben einen Sinn. Aber das misslang.

Wolfgang Bossinger: Sie hatten über lange Zeiträume Ihres Lebens mit Krankheitskrisen zu kämpfen. Inwiefern half Ihnen der kreative Selbstausdruck beim Malen, der Poesie und Musik diese schwierigen Phasen zu bewältigen?

Ursula Schumann: Da ich in Gesundheits- und Lebenskrisen allein auf mich gestellt war, benutzte ich die Nächte, mein Leid zu verwandeln. Ich fand Metapher für mein inneres Ringen. Hörte die rhythmischen Sprachmelodien. Und begegnete vorhandenen, elementaren Figuren. Deren Geschichte setzte ich fort. Mit ihnen war ich nicht einsam. So verlor die in Schmerzen durchwachte Zeit ihren Schrecken. Die Jahre, in denen ich nicht fähig war, zu laufen, füllte ich mit den Vorstellungen meiner mich bewegenden Phantasie.

Wolfgang Bossinger: Für Sie spielt die Verwandlung von Schwierigkeiten in den Bildern Ihrer Kunst eine wichtige Rolle. Können Sie näher erläutern, welche seelischen Prozesse hierbei aktiviert werden?

Ursula Schumann: Schwingungen versetzen uns in Bewegung .Wiegen uns in den Schlaf. Berühren unsere Sinne. Durchströmen unseren Körper. Wenn ich sie verwandele, hörbar oder sichtbar mache, bin ich in Aktion und beteiligt an dem Prozess der Schöpfung. Durch eine ständige Transformation mache ich mir Energien zugänglich, die mir vollkommen neue Möglichkeiten erschließen. Die Seele bekommt Nahrung und ist ständig in Bewegung.

Wolfgang Bossinger: Was hat für Sie Gesundheit mit Schwingung zu tun?

Ursula Schumann: Gesundheit bedeutet im Einklang zu sein. Schwingungen stellen immer wieder ein Gleichgewicht her. Der Mensch ist gar nicht denkbar, ohne Schwingungen. Sich diese Schwingungen zunutze zu machen, sie bewusst erleben, ihre Wirkung wahrnehmen, ist es möglich, statische Gefüge belastbar zu machen. Die Eigendynamik hält uns in Schwung und wirkt der Schwerkraft entgegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass wir erkennen, welchen Schwingungen wir uns aussetzen. Außerdem steht körperliche Gesundheit nicht analog zu seelischem Gleichgewicht. Wir müssen differenzieren, und uns immer wieder neu ein individuelles Schwingungspotential erschließen.



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