Die Anthropologin Dr. Felicitas Goodman entdeckte, daß mit rhythmischer
Anregung (Trommel, Rassel) von ca. 210 bpm (beats per minute) und einer
rituellen Körperhaltung ein veränderter Bewußtseinszustand herbteigeführt werden
kann. In diesem willentlich veränderten Bewußtseinszustand tritt eine Trance
ein, in der es möglich ist, Bereiche der nichtalltäglichen Wirklichkeit zu
erfahren. In der ekstatischen Trance werden Zeit und Raum im Unterschied zu
unserem gewöhnlichen Bewußtseinszustand anders wahrgenommen. Diese veränderte
Wahrnehmung schließt auch die Veränderung der Sinneswahrnehmung ein, sie kann zu
visionärem Erleben führen.
Die ekstatische Trance ist eine schamanische
Technik , deren Gebrauch auch heute noch in einigen indigenen Gemeinschaften
bekannt ist. Archäologische Funde in aller Welt bezeugen durch Höhlenzeichnungen
und kleine Statuetten das Wissen der alten Kulturen um die Wirkung und Kraft
ritueller Trancehaltungen. Die älteste der vom Cuyamungue Institut erforschten
Trancehaltungen ist ca. 30.000 Jahre alt.
Diese Methode der "Rituellen Körperhaltungen und Ekstatischer Trance" aus dem
Bereich der schamanischen Weltanschauung ist einer von vielen möglichen Zugängen
zum Raum der anderen Wirklichkeit. Dieser Zugang birgt in sich ein starkes
Potential an Erkenntnismöglichkeiten, an ganzheitlichen Heilwegen. Die rituellen
Körperhaltungen stellen kein Glaubenssystem dar, beinhalten kein Dogma.
Bei
wissenschaftlichen Untersuchungen der rituellen Körperhaltungen nach Dr.
Felicitas Goodman wurde u.a. festgestellt, daß im Blut die Neurotransmitter, die
bei Streß auftreten - wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol - abnehmen, daß
das Gehirn aber gleichzeitig Beta-Endorphine, die körpereigenen Opiate,
freisetzt. Endorphine wirken schmerzstillend, sind aber auch für das Gefühl
intensiver Freude und Euphorie verantwortlich. In den begleitenden EEG-Messungen
erscheinen Thetawellen (4-7 Hz) und der Puls zeigt eine starke Erhöhung bei
gleichzeitigem Fallen des Blutdrucks.
Dr. Goodman hat mit den MitarbeiterInnen ihres Cuyamungue-Instituts ca. 60
rituelle Körperhaltungen in ihrer Wirkung erforscht. Die unterschiedlichen
Haltungen können in thematisch verschiedene Bereiche der "anderen Wirklichkeit"
führen, wie z.B. in den Bereich der Heilung, der Verwandlung, des Seelenflugs.
Trance ist ein dem Menschen angeborener, natürlicher Zustand. "Rituelle
Körperhaltungen und ekstatische Trance" energetisieren, harmonisieren und
verstärken den Zugang zur eigenen Kreativität.
Nana Nauwald
Literaturtips:
- Felicitas Goodman (1992): Trance - Der uralte Weg zu religiösem Erleben.
Rituelle Körperhaltungen und ekstatische Erlebnisse. GTB.
- Felicitas Goodman (1989): Wo die Geister auf den Winden reiten.
Trancereisen und ekstatische Erlebnisse. Bauer.
- Felicitas Goodman (1991): Ekstase, Besessenheit und Dämonen – Die
geheimnisvolle Seite der Religion. Gütersloh.
- Felicitas Goodman: Die andere Wirklichkeit. Über das Religiöse in den
Kulturen der Welt. Trickster.
- Felicitas Goodman (1996): Meine letzten vierzig Tage. Walter Verlag.
- Belinda Gore: Ekstatische Körperhaltungen.
- Felicitas Goodman / Nana Nauwald: EkstatischeTrance - Das Arbeitsbuch.
Edition Nada.
- CD zum Buch "Ekstatische Trance" mit Rassel- und Trommelrythmus erhältlich
bei:
Tel. 04135/7578.
- Nana Nauwald (2002): Bärenkraft und Jaguarmedizin. AT-Verlag, Aarau.
- Sabine Rittner / Peter Hess (1996): Überblickswissen zu den Stichworten
"Verändertes Wachbewußtsein", "Trance", "Klangtrance", "Stimme", "Stimmung",
"Stimmforschung".
In: Decker-Voigt, Knill, Weymann (Hg.): Lexikon
Musiktherapie. Hogrefe.