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Fortlaufende Singgruppe Druckversion - Impressum - Programmheft (4 MB)

 

Über Bewusstes Hören

In der Natur gibt es eine unendliche Vielfalt von Tönen, Geräuschen und Klängen. Wenn wir genau hinhören, bemerken wir, dass wir über alles, was tönt, viele Rückschlüsse ziehen können auf die inneren Wesenszüge und Charaktere der Klangerzeuger. Wenn ein Vogel zwitschert, eine Schlange zischt, ein Wasserfall rauscht, der Wind säuselt, tut sich im Grunde eine innere Welt vor uns auf, die über Seelenzustände berichtet. Welch wunderschöne Musik, in die wir da eintauchen können. Diese Musik ist für uns bestimmt. Warum sonst ist unser Ohr das sensibelste Organ des menschlichen Organismus. Die Klangwelt ist dazu da, uns seelisch und geistig zu bereichern, uns Wonne zu bereiten, aber auch, um uns Gefahren rechtzeitig erkennen zu lassen.

Doch im Zuge der rasanten Entwicklungen in unserer Zeit, fällt es immer schwerer, den Hörsinn dementsprechend einzusetzen: Die Welt wird immer schneller und lauter. Das trifft nicht nur auf den Verkehr, den Arbeitsplatz und das moderne Stadtleben, sondern auch auf die aktuelle Musikszene und die permanente Geräuschberieselung zu. Es herrscht ein Drang zur Superlative. Alles muss immer größer werden, immer schneller, immer lauter, höher, weiter, härter usw. Ein Leben ohne Pausen, ein Leben ohne Stille. Gerade junge Menschen haben es schwer, einen Sinn für feinere Nuancen zu entwickeln. Beim Fernsehgeflimmer, dem hektischen Bilderwechsel der Werbespots, dem Getöse in U-Bahnschächten, Discos und dem Straßenverkehr ist es nur zu verständlich, dass immer mehr Menschen unter Wahrnehmungsstörungen leiden.
Wie können wir da helfen? Ich meine, dass wir ein kritisches Hörbewußtsein fördern sollten. Wir müssen erfahren, was Klänge ausdrücken und bewirken können. Durch wiederholendes Üben im Lauschen, Spüren und Erforschen von Klängen sollten wir bewußtes Hören schulen und gleichzeitig darüber klar werden, dass passiver Klangkonsum uns schutzlos nicht kalkulierbaren Einflüssen ausliefert.

Seit über 10 Jahren arbeite ich an der Entwicklung neuartiger Musikinstrumente, die das volle Spektrum des Gehörs bedienen. Ich leite Musikseminare und besuche auch immer wieder Schulen um mit Kindern zu arbeiten. Meine Erfahrung ist, dass gerade die lang nachschwingenden Klänge es uns erleichtern in den Klang hineinzugehen und Obertöne und Schwebungen herauszuhören. Überraschende Klänge regen die Neugier an und machen hellhörig. Sehr eindrücklich ist es, die Qualität der Töne nicht nur zu hören, sondern auch anderen Sinnesorganen erfahrbar zu machen, z.B. mit Hilfe chladnischer Klangscheiben, bei denen man das Schwingungsverhalten von Metallplatten mit Hilfe von feinem Sand sichtbar machen kann. Je nach Ton entstehen hierbei immer wieder andere, wunderschöne Formen. Mein Logo zeigt ein Sandbild auf der Membran eines Tonoskops. Auch unser Tastsinn kann Töne erfahren, wenn wir mitschwingende Resonatoren berühren oder uns mit Hilfe der "Resonanzwiege" gar auf sie legen.

Damit kommen wir zu einem anderen wichtigen Aspekt: der Resonanz. Wenn ich einen Klangstab anschlage und gleichzeitig einen Hohlkörper darüber halte, dessen Luftsäule mit der Frequenz des Klangstabs übereinstimmt, wird der Ton viel kräftiger: Der Hohlkörper resoniert. Das Phänomen der Resonanz zeigt sich nicht nur in der Klangwelt sondern auch in anderen Bereichen. Wenn zwei Freunde über die Straße gehen und sie "auf gleicher Wellenlänge" schwingen, fühlen sie sich viel stärker, als wenn sie allein unterwegs wären. Wenn wir mit Musik in Resonanz gehen, z.B. mit einem traurigen Lied, geht die Stimmung dieser Musik auf uns über. Wenn wir einen Rhythmus wahrnehmen, versucht sich unser Herz diesem Rhythmus anzupassen. Wenn unser Herz einem zu schnellen Rhythmus folgt, treten bei uns die gleichen Symptome wie bei einer körperlichen Anstrengung auf. Mit Resonanz kann man heilen wie auch zerstören.

Unsere Lernaufgabe besteht darin, wach zu werden, Töne und Geräusche zu erforschen, ihre inneren Wesenszüge und die Wirkung zu erkennen. Erst wenn unsere Urteilskraft gut geschult ist, sind wir frei uns zu entscheiden.

zu Klangkunst Fassbender



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