Zwischen Jurassic Park und Elfenreich
Ich steige die große, breite Holztreppe in Haus 11 hinauf, die zum Herrensaal
führt. Von weitem höre ich Klänge, die mich aufschrecken lassen und zugleich
zutiefst berühren und neugierig machen. In meiner Fantasie sehe ich ein ganzes
Heer von Dinosauriern die gleich vor mir auftauchen werden, im nächsten Moment
höre ich einen Hund bellen, dann das Lachen von Menschen. Als ich den Saal
betrete sehe ich eine Menschentraube um ein merkwürdiges Gestell stehen. Jeder
einzelne lauscht gespannt; was wird als nächstes zu hören sein? Die zarten Töne
wie aus einem weit entfernten Elfenreich, so zart und fein, dass sie
unweigerlich eine angenehme Gänsehaut auslösen? Ein Vulkanausbruch oder das
dumpfe Grollen eines Gewitters?
Jochen Fassbender ist der Schöpfer ausgefallener Klangkörper und Instrumente,
denen er wundersame Klänge entlockt und zum lauschen, staunen und selber
ausprobieren einlädt. Seine vom äußeren Erscheinungsbild auffälligsten und von
hohem Erlebniswert geprägten Instrumente sind zweifellos die Ballastsaite und
die Klangschaukel. Auch das Entstehen lassen eines Schwingungsbildes mit der
eigenen Stimme, einem sogenannten Tonoskop, findet bei den Besuchern großen
Anklang ebenso wie Metallharfen, Miraphone, Röhren- und Steinglockenspiele.
Im Interview mit Wolfgang Bossinger erzählt Jochen Fassbender, wie er sich
schon als Kind von Instrumenten angezogen gefühlt hat, sich allerdings nie für
das spielen von Etüden und anderen Übungen interessiert hat. Das Studium der
freien Kunst brachte ihn schließlich auf eine besondere Weise wieder in
Berührung mit Klang und Musik. Seit 1988 ist Jochen Fassbender als Klangkünstler
und als Entwickler von Musikinstrumenten und Klangobjekten tätig.
Zu der Klangperformance am Abend im Herrensaal fanden sich ungefähr 100 Leute
ein, die sich nicht scheuten, an einer einzigartigen Improvisation teilzunehmen
und mitzumachen und so, in die Welt der Klänge, Wahrnehmung und Schwingung
sowohl auditiv, als auch visuell einzutauchen.
D. Schradi
"Die meisten Klangobjekte wie Steine, Holzspäne, Metallplättchen u. a.
waren für mich ungewohnt als "Musikinstrumente", aber reizvoll zum Ausprobieren.
Das gemeinsame Spielen und Hören war eine Reise in neue Welten. Herrn
Fassbenders Spiel auf dem im Programm S. 5 unten abgebildeten Instument
vermittelte besondere Klangerlebnisse."