von Dr.Christian Fuchs
Dass sich
regelmäßiges Yoga-Üben positiv auf den Übenden und seine Umgebung auswirkt, ist
für uns Yoga-Praktizierende eine Selbstverständlichkeit. Um so mehr Erstaunen
mag in Yoga-Kreisen hervorrufen, dass diese frohe Botschaft noch keineswegs
überall in unserer Gesellschaft angekommen ist. Wie ich im Rahmen meiner
Öffentlichkeitsarbeit für den "Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland"
(BDY) in den letzten neun Jahren feststellen konnte, zeigen sich beispielsweise
viele Politikerinnen und Politiker in Deutschland - trotz intensiven Bemühungen
- recht uninformiert über den Yoga und seine Hintergründe. Ein vergleichbare
Unkenntnis findet sich oft auch bei den höheren Bediensteten öffentlicher
Institutionen.
Dieser offensichtliche Mangel an Aufklärung ist um so bedauerlicher, als es
heute eine Vielzahl seriöser wissenschaftlicher Studien gibt, die die positiven
Wirkungen des Yoga zweifelsfrei belegen. Darunter sind inzwischen viele
westliche Untersuchungen, die auch mit sogenannten "harten Daten" aufwarten
können; also mit Zahlenmaterial, das nach den strengen Kriterien moderner
Naturwissenschaften abgesichert ist.
Es bot sich daher an, einige hervorstechende Ergebnisse dieser Studien, einer
breiteren Öffentlichkeit - und damit auch den sogenannten opinion leaders
("Meinungs-Machern") in Politik und Gesellschaft - zugänglich zu machen. Ich
habe daher im Auftrag des BDY eine kleine Broschüre erarbeitet mit dem Titel:
Yoga im Spiegel der Wissenschaft.[1] Dieser Titel
ist allerdings - wie die ganze Broschüre - nur mit zwei wesentlichen
Einschränkungen - zu verstehen:
Erstens war für die Auswahl der Studien eine quantitative Beschränkung
notwendig; d.h. es konnten von mir - aus den Tausenden vorliegenden
Untersuchungen - nur wenige repräsentative ausgewählt werden. Zweitens sollte
Yoga-Übenden jederzeit bewußt sein, daß die Herangehensweise der westlichen
(Natur)Wissenschaften nur eine Möglichkeit ist, sich ernsthaft mit dem Thema
Yoga auseinanderzusetzen. Dies gilt um so mehr, als das traditionelle Indien
seine spirituelle Erforschung und Weitergabe des Yoga mit gleichem Recht wie die
westliche akademische Welt als Erfahrungswissenschaft bezeichnen darf. Ob dabei
die westliche oder die östliche Seite "Recht hat", oder ob die Zukunft nicht
eine neue, beide Traditionen integrierende und über sie hinausgehende Form von
"Wissenschaft" hervorbringen wird, sei zunächst dahingestellt und kann hier
nicht näher erörtert werden.
Im Folgenden möchte ich jedenfalls auch für Sie einen kleinen Ausschnitt aus
der Broschüre wiedergeben.
Ergebnisse einer physiologischen Studie zum
Hatha-Yoga
Aus den in der Broschüre zitierten physiologischen Studien zum (Hatha)Yoga
habe ich eine interessante für Sie ausgewählt. Es handelt sich dabei um eine der
größten Untersuchungen zur Wirkung von Hatha-Yoga bei Schlafstörungen,
chronischem Kopfschmerzsyndrom, Hypertonie und chronischem Lumbalsyndrom im
deutschsprachigen Raum. Sie wurde ab 1993 in Berlin durchgeführt. Das Projekt
stand unter Leitung von Dr.Martina Bley und fand eine große Resonanz in den
Medien. An der Forschungs-Kooperation beteiligten sich u.a. die "Freie
Universität Berlin", die "Barmer Ersatzkasse Berlin" und das "Gesundheitszentrum
der BKK Berlin". Bis Juli 1995 hatten über einen Untersuchungszeitraum von 18
Monaten insgesamt 253 Probanden an den Yoga-Kursen teilgenommen, die teilweise
auch von Ärzten und Psychologen aus Indien geleitet wurden.
Ihren wissenschaftlichen Niederschlag fand dieses Projekt unter anderem in
der Dissertation von Christina Kühn mit dem Titel: "Effektivität von Hatha-Yoga bei Kreuzschmerzen und
Hypertonie".[2] Frau Kühn untersuchte für ihre Dissertation - im
Rahmen des Gesamtprojektes - 52 Probanden mit Kreuzschmerzen (davon 21 in einer
Kontrollgruppe) und 34 Probanden mit Hypertonie (davon 15 in der
Kontrollgruppe). Sie konnte bei den Probanden mit Kreuzschmerzen eine
signifikante Verringerung der Schmerzintensität und Schmerzdauer bereits nach
vierwöchiger Yoga-Praxis beobachten, die auch nach vier Monaten Yoga-Praxis
nachweisbar war (Kühn 1996, 28). Die folgende grafische Übersicht zeigt diesen
Sachverhalt:

In der Gruppe der Probanden mit Hypertonie (Bluthochdruck) wurden im
Vergleich zur Kontrollgruppe ebenfalls signifikante systolische und
diastolische Blutdrucksenkungen nach vierwöchiger Yoga-Praxis beobachtet.
Dabei betrug das Ausmaß der Senkung des Blutdrucks im Durchschnitt ca. 9% beim
systolischen und ca. 6% beim diastolischen Blutdruck. Interessanterweise konnte
der größte Blutdruckabfall innerhalb des Untersuchungszeitraumes bei den
Probanden beobachtet werden, deren Ausgangswerte für den Blutdruck besonders
hoch (> 150 mm Hg) waren.
Diese positiven Ergebnisse werden in der folgenden Grafik
veranschaulicht:

In der abschließenden Bewertung der von ihr gewonnenen und analysierten Daten
kommt Frau Kühn daher zu einer klaren Empfehlung für die Einrichtung und
Förderung von (öffentlichen) Yoga-Angeboten:
"Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie wird empfohlen, Yoga bei
Kreuzschmerzen und Hypertonie als alleinige oder auch als unterstützende Methode
in das Behandlungsregime einzubeziehen. Nach vorheriger Anleitung ist eine
selbständige Durchführung des Yogatrainings möglich. Organisierte Kurse zur
gezielten Therapie wie im vorgestellten Forschungsprojekt können aus
Kostengründen selten angeboten werden. Der rege Zuspruch für diese Studie
bestätigt jedoch, daß ein großer Bedarf besteht." (Kühn 1996, 64).
"Aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kann bestätigt werden, daß
sich Yoga als nichtmedikamentöse Therapie bei den Krankheitsbildern
Kreuzschmerzen und Hypertonie eignet. Die Ergebnisse lassen sich in die bisher
veröffentlichten wissenschaftlichen Studien einordnen ...
Die Linderung von Kreuzschmerzen sowie die nachgewiesene Blutdrucksenkung und
Medikamentenreduzierung bei der Behandlung der Hypertonie unter regelmäßiger
Yogapraxis sollte zu einem vielfältigen Kursangebot bei Krankenkassen und
Volkshochschulen mit geprüften Yogalehrern führen." (Ebd., 67).
Ergebnisse einer Literaturstudie zur Wirksamkeit von
(Yoga)Meditation
Auch ein Beispiel aus dem psychologischen Umfeld der Yoga-Forschung sei noch
angeführt.
Um verifizierbare Aussagen über die Wirksamkeit von (Yoga)Meditation als
Therapie zu machen, werteten Klaus Grawe, Ruth Donati und Friederike Bernauer in
ihrem - mehrfach aufgelegten - Buch "Psychotherapie im
Wandel" 15 einschlägige Studien mit insgesamt 596 Patienten aus.[3] Sie
ordneten Yoga (mit seinen konzentrativen und meditativen Techniken) in diesem
Kontext den sogenannten "Meditationsverfahren" zu.
In der Auswertung der Studien stellen die Autoren dabei fest:
"Für die Wirkung der Behandlung scheint zum einen regelmässiges Üben wichtig
zu sein und zum anderen das Nichtvorhandensein von affektiver Erregung und von
Schmerzempfindungen während der Therapiesitzungen.
Meditation ist als Therapiemethode im deutschen Kulturkreis bisher wenig
verbreitet. Von ihrer therapeutischen Wirksamkeit her ist dies unbegründet.
Medtiationstechniken sind nach den bisher vorliegenden Ergebnissen jedenfalls
therapeutisch wirkungsvoller als das im deutschen Sprachraum weitverbreitete
Autogene Training. Für Patienten und Therapeuten, die den mit
Meditationstechniken in der Regel verbundenen östlich-kulturellen Zielen und
Inhalten zuneigen, kann Meditation eine interessante Alternative zum
Biofeedback, zur Progressiven Muskelentspannung und zur Hypnose sein, die dem
Autogenen Training unter dem Wirksamkeitsaspekt allesamt vorzuziehen sind."
(Grawe et al. 1994, 625f.).
Insbesondere die von den Autoren getroffene Feststellung, daß
Yoga-Meditation dem sog. Autogenen Training (AT) in der Wirksamkeit überlegen
ist, darf dabei m.E. als kleine Sensation betrachtet werden. Gilt das AT
hierzulande doch stets als Verfahren mit geradezu mustergültigem
Wirksamkeitsnachweis.
Das waren nur zwei Beispiele für die spannenden Ergebnisse der von mir
ausgewählten Studien, die vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum stammen.
Vielleicht sind Sie durch diesen kleinen Einblick neugierig geworden auf weitere
Details und Hintergründe, die Sie in der Broschüre finden.
- [1]
- Die Broschüre ist erhältlich bei der BDY-Geschäftsstelle in Göttingen
(s.o.).
- [2]
- Christina Kühn: Effektivität von Hatha-Yoga bei Kreuzschmerzen und
Hypertonie, Humboldt Universität Berlin (Dissertation) 1996.
- [3]
- Klaus Grawe; Ruth Donati; Friederike Bernauer: Psychotherapie im Wandel,
4.Aufl., Göttingen 1994.